
Das Unglück ist ein unscheinbarer Bursche, der ständig
Vorkehrungen trifft und uns noch freundlich zunickt, nur um dann – scheinbar
ohne Vorwarnung – die Katastrophe über uns hereinbrechen zu lassen. Wer an
schlimme Autounfälle, Morde oder eben Flugzeugabstürze denkt, der hat
wolkenverhangene Tage vor Augen, düstere Vorahnungen und explodierende Technik.
Doch die Mechanik solcher Ereignisse ist meist eine ganz andere. Autos krachen
frontal in Lastwagen, während die Sonne scheint, Mörder sind von netten
Nachbarn nicht zu unterscheiden. Und die Technik? Die hat mit dem Unglück meist
gar nichts zu tun.
Angst vor dem größten Vorteil
Das menschliche Versagen rührt von der Vielzahl an Faktoren, die auf das Handeln jedes Einzelnen wirken: Emotionen wie Trauer und Wut; die körperliche Verfassung, etwa Müdigkeit und Krankheit; oder schlicht: Ablenkung. Dieser Text richtet sich keinesfalls gegen Piloten – im Gegenteil, wir sprechen hier über einen Beruf, zu dem beeindruckende Fähigkeiten vonnöten sind. Fakt aber ist: Eine Maschine hat mit all diesen Dingen nichts am Hut. Sie ist ein kühler Entscheider, der sich keinerlei Ablenkung erwehren muss. Doch ausgerechnet diese Kühle, ihr großer Vorteil, ist es, die uns Menschen Angst macht.
Hätte Alexa etwa entschieden, das Flugzeug auf dem Hudson
River notzulanden – oder brauchte es dazu einen hemdsärmeligen Kerl, der erst
um die Ecke denkt und dann mutig anpackt? Und was ist mit einem ethischen
Dilemma, wie es bei autonom fahrenden Autos diskutiert wird – wen überfährt der
Wagen, wenn er nicht mehr ausweichen kann? Mutter und Kind oder das
Seniorenpaar? Und wieso sollte es besser sein, wenn ein Mensch anstelle der KI
entscheidet, dass Oma und Opa sterben müssen?
Die KI ist plausibel
Angesichts des erbarmungslosen Preiskampfs, der am Himmel tobt, ist der Abzug der menschlichen Piloten aus dem Cockpit übrigens völlig plausibel. Um Fliegen für alle zu ermöglichen, haben die großen Gesellschaften bereits an allen erdenklichen Preisschrauben gedreht – nur eine der größten Kostenstellen hält sich bislang beharrlich: der Mensch.
Angesichts des erbarmungslosen Preiskampfs, der am Himmel tobt, ist der Abzug der menschlichen Piloten aus dem Cockpit übrigens völlig plausibel. Um Fliegen für alle zu ermöglichen, haben die großen Gesellschaften bereits an allen erdenklichen Preisschrauben gedreht – nur eine der größten Kostenstellen hält sich bislang beharrlich: der Mensch.