Donnerstag, 11. Januar 2018

Entfesselte Emotionen


Bücher sind wie Telepathie: Über Zeit und Raum hinweg lässt der Autor eine packende Geschichte im Kopf des Lesers entstehen, die ihn oft auch über die Lektüre hinaus beschäftigt. Dieses wunderbare Bild ist nicht von mir, sondern vom Altmeister des Horrors – Stephen King. Er skizziert damit die Macht, die dem Autor gegeben ist. Und seinen Auftrag.

Eigentlich hat man als Geschichtenerzähler ja nur einen Job zu erledigen: eine Geschichte zu schreiben, die den Leser packt und mitreißt, ihn in seinem Innersten berührt, begeistert oder verstört; eine Geschichte, die ihn Seite um Seite umblättern lässt, nur um dann entsetzt auf die Uhr zu starren, und festzustellen, dass es wieder viel zu spät ist.

Als Leser hat man freilich eine unbequeme Position: Man begibt sich für viele Stunden in die Hände eines Fremden, in der Hoffnung, dass er sein Handwerk versteht, darum flehend, dass er all die ausgeworfenen Handlungsfäden am Ende zu einem straffen Tau von beeindruckender Stärke verknotet. Vor allem bei Autoren, die man noch nicht kennt, ist das Risiko groß.

Aber hey: Abenteuer finden immer außerhalb der Komfortzone statt. Also trauen Sie sich!

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Warum Weihnachten unsere dunkle Seite weckt


In den leuchtenden Kinderaugen glänzt dieser Tage die Gier – das ferngesteuerte Auto soll schneller sein, der Ponyhof größer, das Videospiel cooler. Der fromme Wunsch nach Liebe wird erstickt vom Ruf nach „mehr, mehr, mehr!“.

Wer glaubt, die Werbung sei Schuld daran, irrt.

Der Drang, Besitz anzuhäufen, ist uns in die Wiege gelegt; je mehr wir bekommen, umso kürzer dauert unsere Zufriedenheit an, umso größer ist der Drang, das zu ändern. Gier ist eine Droge, deren süßer Rausch schneller verklingt als die Kirchglocken nach der Mitternachtsmesse an Heiligabend.

Besinnen wir uns zurück auf das, was Weihnachten ausmacht: Kinder mit der Magie dieser Tage zu verzaubern, Freunde und Verwandte zum Jahresende wiederzusehen, lecker zu essen, eine gute Zeit miteinander zu verbringen und – selbstverständlich – den anderen durch Geschenke eine Freude zu machen. Das Gebot der Stunde ist Maß – ansonsten enden wir wie Desmon, die Hauptfigur in meinem neuen Roman, Plasmaherz, die von Gier getrieben in die Finsternis aufbricht, bis sie sich selbst verliert.

Ich wünsche ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!




Samstag, 3. Juni 2017

Heldin mit Badass-Faktor: Warum die Alien-Reihe die Gesellschaft bereichert

Ausnahmsweise nicht im Unterhemd: Ellen Ripley.
Wenn jemand den Aliens was auf die Fresse haut, dann ist das Ellen Ripley, zweifellos. Doch mit der Rolle ihres Lebens brachte US-Schauspielerin Sigourney Weaver (68) nicht nur die wegweisende Alien-Reihe im rar besetzten Feld des Sci-Fi-Horrors weit nach vorne; sie ebnete auch einen Weg – den Weg der starken Frau auf der Leinwand.
Wenn wir ehrlich sind, ist es doch so: In vielen Geschichten existiert bis heute die Plot-Schablone, bei der ein bildhübsches Mädchen gegen widrige Umstände gerettet werden muss. Von einem – natürlich! – richtigen Kerl, der die Ärmel aufkrempelt, den Rotz hochzieht und Taten sprechen lässt. Heute zeichnen Kino und Literatur auch andere Frauenbilder.
1979 nicht.
Ripley ist keine Frau, die sich retten lässt. Im Gegenteil: Sie versucht, den Rest ihrer Crew vor dem Untergang zu bewahren – zwar ohne Rotz hochziehen und Ärmel hochkrempeln (im Unterhemd ohnehin unnötig), dafür aber mit Grips, Schlagkraft und verschwitzten Haaren. Weaver verkörperte damals auf der Leinwand einen neuen Typus Frau, für den die Fachpresse bald ein Wort fand. Sie nannten sie badass – knallhart.
Nicht, dass Ripley perfekt wäre. Im Gegenteil. Sie ist stets die einzige Überlebende, ihre kleine Tochter wartet bis ans Ende ihres Lebens auf die Rückkehr der Mutter – vergeblich –, und das Alien, stellvertretend für das Böse schlechthin, verfolgt sie selbst in ihren Träumen. Sie ist zerfressen von Selbstzweifeln, gezeichnet von ständiger Konfrontation und müde vom Kämpfen.
Aber sie kämpft.
Unterm Strich ist sie vor allem eines: die erste echte Heldin des amerikanischen Action-Kinos.
Weaver, die mit der Schauspielerei und ihrem Klimaschutzengagement auch im echten Leben erfolgreich ist, war somit Pionierin. Viele folgten ihrem Beispiel. 
Und doch sind es zu wenige.
Weit öfter sollten starke Frauen im Zentrum mitreißender Geschichten stehen, weil sie der Gesellschaft ein Vorbild sind und dabei völlig selbstverständlich verkrustete Rollenklischees aufsprengen, weit effektiver als gendergerechte Sprache es je könnte. All die Weavers und Streeps und Keatons stehen stellvertretend für die bewundernswerten Frauen in unserem Umfeld – Mütter, Freundinnen, Töchter, Ehefrauen –, denen kaum je die Anerkennung zuteilwird, die sie verdienen, weil die wenigsten erkennen, wie sie eigentlich sind: wunderbar.
Starke Frauen sind mir bei meiner Arbeit als Autor wichtig. Sie sind daher unabdingbarer Bestandteil meiner Geschichten.